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[anjelica huston jack nicholson]Anjelica Huston wird 70 – angenehm unberechenbar

  Das Fest ist vorüber, die letzten G?ste sind am Gehen. Auch Gretta steigt langsam die Treppe hinab, kurz nach dem Treppenabsatz h?lt sie inne, wendet den Blick nach oben. Ein Lied, das erklingt, zieht sie zurück in die Vergangenheit, in die Jugend. Die Zeit steht still?…

  Es ist “The Lass of Aughrim”, eine alte irische Weise. Es geht um eine Liebe, die sich nicht erfüllen kann. Ein Junge starb, den Gretta liebte, mit siebzehn. Die Reaktionen auf ihrem Gesicht sind kaum wahrnehmbar, ein leichtes Hochziehen der Augenbrauen, ein vages Kopfschütteln. Anjelica Huston ist Gretta, in “The Dead”, 1987, dem letzten Film ihres Vaters John, nach James Joyce. Der Moment auf der Treppe dehnt sich, reines Kino, so viel st?rker als jede melodramatische?Turbulenz.

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  Anjelica Huston wurde geboren am 8. Juli 1951, als John gerade “African Queen” drehte, zum ersten Mal war sie dann auf einem Filmset bei seiner Verfilmung von “Moby Dick”, 1956, ihren ersten Film machte sie mit siebzehn, unter Johns Regie, “A Walk with Love and Death”. Auch Franco Zeffirelli hatte damals ein Auge auf sie geworfen, wollte sie als Julia in seinem Shakespearefilm. Der Vater sagte ihm kategorisch ab, Anjelica war wütend, ihr kam der Film des Vaters altmodisch vor. Sp?ter schenkte John ihr dann die Rolle der Maerose, der ordin?ren Mafiaprinzessin in “Prizzi’s Honor”, an der Seite von Jack Nicholson, mit dem sie viele Jahre liiert war. “Der Regisseur ist ihr Vater, der Star ist ihr Geliebter, und sie kann nicht spielen”, wurde gel?stert. Dann bekam sie den Oscar als beste Nebendarstellerin, das dritte Glied der Huston-Familie, das diese Auszeichnung erlangte, nach Vater John und Gro?vater?Walter.

  Ihre Kindheit verlebte sie in Irland, auf dem Landsitz, den John in den Fünfzigern kaufte, und sie hat viele Sachen gemacht, die ihr Vater in seiner Robustheit erwartete, im Damensattel reiten zum Beispiel. Irgendwann hatte sie genug davon und begann als Model zu arbeiten, ihre Mutter Enrica Soma, eine Ballerina, kannte Richard Avedon, der fotografierte sie für Vogue, Anjelica arbeitete (und lebte) mit Bob Richardson, wurde abgebildet von David Bailey oder Helmut Newton. Das ist die Bewegung ihres Lebens, von der Naturm?dchen-Agilit?t, wie sie dem Vater gefiel, in die?Pose.

  ”Be careful, honey, you’re out-irishing the Irish”, mahnte John bei “The Dead”. ?hnlich hatte er sie bei Prizzi gewarnt, mit den Italienern. Ich fange immer m?chtig an, sagt sie, und fahre dann zurück. Sie konnte sich l?sen von einem dominanten Vater und dann von einem launischen Liebhaber (der ein Kind mit einer anderen hatte). Das macht die Mütter so angenehm unberechenbar, die sie in drei Filmen für Wes Anderson verk?rpert, zuletzt in “The Darjeeling Limited”. Eine irische Mutter war sie in “Agnes Browne” (den sie selbst inszenierte), sieben Kinder allein erziehend. Ein direkter Weg führt dann zu Morticia Addams, die Matriarchin der legend?ren Family. Und zur absoluten übermutter, der Grand High Witch in “The Witches” von Nicolas?Roeg.

  Die Subtilit?t der Pose: Anjelica Huston ist wundersch?n madonnenhaft als Gretta, das dunkle Kleid, das wei?e Kopftuch locker drapiert, hinter sich das helle bunte Glasfenster. Am Donnerstag wird sie siebzig Jahre?alt.